Hildesheimer Friedenstag

Der 22.März 1945 ist der Tag der weitgehenden Zerstörung Hildesheims zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Wiederaufbau der Stadt war fraglich. Der bereits im Mai/ Juni des Zerstörungsjahres wieder ausschlagende Rosenstock am Dom aber war ein Signal, der Stadt wieder Leben zu geben und sie mit neuer Kraft zu errichten.

Dennoch bleibt ein Trauma: die Schönheit der alten Stadt ist unwiederbringlich dahin, auch wenn viele Gebäude wiedererrichtet sind. Insofern ist der 22. März ein bleibendes Datum, um die Gestalt und Verfassung der Stadt zu verstehen.

Der Wiederaufbau wurde zweckdienlich durchgeführt, erst ab den 80er Jahren wurden einmalige und bekannte Gebäude wieder rekonstruiert (Knochenhauer Amtshaus / Marktplatz) Die Stadt erhielt punktuell verlorenen Charme zurück.

Der 22.März wird in Hildesheim traditionell als Gedenktag an die Zerstörung der Stadt genutzt. Diese Tradition ist in den vergangenen Jahren verblasst und findet nicht mehr in dem dafür passende Rahmen statt. Eine glaubwürdige Übertragung in der heutigen Zeit ist für viele, gerade jüngere Mitbürger nicht erkennbar.

Derzeit denkt die Stadt an ihre Zerstörung am 22.März mit einer Veranstaltung auf dem Nordfriedhof. Treffpunkt ist um 13.10 Uhr am Haupteingang, von dort geht es unter Glockengeläut zum Gedenkstein, wo der Oberbürgermeister einen Kranz niederlegt und eine Ansprache hält.

Im weiteren Verlauf der Gedenkstunde tragen Schulklassen oder Vertreter der Partnerstädte Texte vor. Den musikalischen Rahmen gestaltet üblicherweise ein Chor. Kirchliche Vertreter laden traditionell zu Lesung und Abschlussgebet.

Dem Bedeutungs- und Wahrnehmungsverlust dieses Gedenkens wollen wir entgegentreten.

Unser Ansatz ist es, den Gedenktag 22.03. neu zu besetzen und eine neue Richtung zu geben. Gedenken ja, aber nunmehr in Verbindung zum aktuellen Zeitgeschehen und mit positivem Blick nach vorn.

Wir wollen eine neue Tradition einführen:

                                      den „Hildesheimer Friedenstag“

 Dieser ist in drei Schritte gefasst:

  • Erinnern
  • Verpflichten
  • Ermutigen

Das Erinnern geschieht in Form einer städtischen Gedenkfeier in der zentral gelegenen Bürgerkirche St. Andreas. Damit besteht die Möglichkeit, auch mitten am Tag (die Bombardierung fand gegen 13.20 Uhr mittags statt) vielen Menschen die Gelegenheit zu geben, dieser Veranstaltung beizuwohnen.

Die Verpflichtung besteht in der Übergabe eines Versöhnungssymbols, das den Annehmenden verpflichtet, im kommenden Jahr für Versöhnung, Verständigung und Frieden in der Gesellschaft in besonderer Weise tätig zu sein. Gedacht ist an Schulen, Vereine, Behörden und Unternehmen. Jahr für Jahr werden auf diese Weise Akteure des städtischen Lebens miteinander verbunden und auf ein gemeinsames Interesse verpflichtet.

Das Ermutigen ist der Schlusspunkt des Tages. Wir planen die Einrichtung einer Tradition der der „Hildesheimer Friedensrede“, die über die Kommune und die Region hinaus wirken soll. Jedes Jahr soll ein Redner/ eine Rednerin eingeladen werden, die als Person für das Anliegen von Friedensstiftung und Verständigung in prominenter Weise steht. Im ersten Jahr der Friedensrede 2016 wird dies nach unseren Vorstellungen der Bundespräsident sein. Die Einladung und Terminierung ist erfolgt.

Inhaltlich sollten für diesen Friedenstag folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • die Stadt als lebendiger und wiedererstandener Organismus kann als konstruktive Überwindung der Zerstörung dargestellt werden
  • die Düsternis der Erinnerung an die damalige Zeit ist mit der Freude an den Möglichkeiten des menschlichen Handelns zu verbinden; das ist ein positiver Impuls, sich jedweden Herausforderungen der Gegenwart auch zu stellen
  • angesichts der veränderten politischen und gesellschaftlichen Lage ist es wichtig, über die spezielle Hildesheimer Geschichte hinaus die globalen Kontexte in den Blick zu nehmen: Hildesheim ist längst ein internationaler Ort und hat Menschen aus einer ganz anderen Geschichte als Bewohner